Stephen Kings „Carrie“ als Serie: Was vor dem Start über Mike Flanagans Neuauflage bekannt ist

Key Art der Serie Carrie: Summer H. Howell als Carrie White in einem Schulflur, im Hintergrund Flammen.
Summer H. Howell als Carrie White auf dem offiziellen Key Art der Serie. (Bild: Amazon MGM Studios)

Am 7. Oktober 2026 veröffentlicht Prime Video alle acht Folgen von „Carrie“ auf einen Schlag. Es ist die erste Serienfassung von Stephen Kings Debütroman aus dem Jahr 1974, umgesetzt von Horror-Regisseur Mike Flanagan. Dieser Vorabbericht bündelt, was bislang bekannt ist: Aussagen aus Interviews und Panels, Angaben aus den Produktionsunterlagen von Prime Video, Reaktionen in sozialen Netzwerken sowie einige Kuriositäten vom Set.

Von der Ankündigung bis zum Drehschluss: die Produktionsgeschichte

„Carrie“ ist das erste Projekt aus Mike Flanagans exklusivem Fernsehvertrag mit Amazon. Berichten zufolge wollte Flanagan zunächst Kings Fantasy-Zyklus „Der dunkle Turm“ umsetzen, ein Herzensprojekt, das sich jedoch als langwierig erwies. Amazon schlug stattdessen „Carrie“ vor – und Flanagan entwickelte dafür einen eigenen, modernen Ansatz.

Im Oktober 2024 wurde die Serie offiziell angekündigt, noch im selben Herbst öffnete Flanagan seinen Writers‘ Room, also das Autorenteam, das die Drehbücher gemeinsam entwickelt. Laut den offiziellen Angaben von Prime Video schreibt und produziert Flanagan die Serie als Showrunner; Stephen King ist als ausführender Produzent beteiligt.

Oktober 2024

Amazon kündigt „Carrie“ als achtteilige Miniserie mit Mike Flanagan an.

April 2025

Prime Video gibt grünes Licht für die Produktion.

16. Juni bis 17. Oktober 2025

Dreharbeiten in Vancouver, im Studio The Bridge Studios und an Außenschauplätzen in der Region.

Juli 2026

Erster Trailer und Panel auf der San Diego Comic-Con.

September 2026

Offizieller Trailer, Lob von Stephen King auf Threads, erste Vorführung beim Filmfestival in Toronto.

7. Oktober 2026

Weltweiter Start aller acht Folgen bei Prime Video in mehr als 240 Ländern und Regionen.

Wie eng der Zeitplan war, zeigte Flanagan selbst auf der Blogplattform Tumblr. Auf die Frage eines Fans nach seinem geplanten „Exorzist“-Film antwortete er, die Produktion habe noch nicht begonnen, zuerst müsse „Carrie“ fertig werden. Der Kinostart des Horrorfilms wurde daraufhin verschoben.

„Das Einzige, was wir tun konnten, war zu versuchen, etwas Neues zu erschaffen.“

— Mike Flanagan im Gespräch mit USA Today, Juli 2026

Carrie im Jahr 2026: Mobbing endet nicht mehr am Schultor

Die Grundzüge der Geschichte bleiben erhalten. Laut der offiziellen Inhaltsangabe hat Carrie White ihr Leben weitgehend abgeschottet bei ihrer dominanten, streng religiösen Mutter verbracht. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters muss sie eine öffentliche Highschool besuchen. Dort wird sie Opfer eines Mobbingskandals – während in ihr rätselhafte telekinetische Kräfte erwachen, also die Fähigkeit, Gegenstände allein mit Gedanken zu bewegen.

Neu ist der Schauplatz in der Gegenwart. Im Roman blieb die Demütigung auf die Schule begrenzt, in der Serie verbreitet sie sich über Smartphones und soziale Netzwerke. Beim Comic-Con-Panel erklärte Flanagan, Mobbing habe sich in den 50 Jahren seit Erscheinen des Romans stark verändert. Zugleich wisse man heute mehr über die Kreisläufe, die solches Verhalten hervorbringen.

„Das Internet hat diese Art von Grausamkeit gefördert, es belohnt sie, feiert sie, verstärkt sie und lässt sie sich hinter der Anonymität verstecken.“

— Mike Flanagan, Showrunner, beim Panel der San Diego Comic-Con 2026

Für die Recherche holte das Autorenteam nach Flanagans Angaben mehrere Highschool-Schülerinnen und -Schüler in den Writers‘ Room. Sie berichteten von drastischen Einzelfällen ebenso wie von alltäglichen Sticheleien, die nicht sofort als gezielte Schikane erkennbar sind. Die acht Folgen sollen zudem mehr Raum für die Nebenfiguren lassen als die bisherigen Kinofassungen mit ihrer Laufzeit von unter zwei Stunden.

Die Besetzung: eine Unbekannte in der Titelrolle

Die Titelrolle spielt die 22-jährige Summer H. Howell. Laut Flanagan wurden mehr als 1.000 Schauspielerinnen in Betracht gezogen, die Zusage erhielt Howell ausgerechnet am 1. April. Roman und frühere Verfilmungen kannte sie nicht – und holte das auf Flanagans Wunsch auch nicht nach, um Sissy Spacek nicht zu imitieren.

Carries Mutter Margaret White spielt Flanagan-Stammschauspielerin Samantha Sloyan, die die Figur nach eigener Aussage „entmonstern“ wollte. Zum Ensemble gehören außerdem Siena Agudong (Sue Snell), Alison Thornton (Chris Hargensen), Joel Oulette (Tommy Ross), Amber Midthunder (Miss Desjardin) und Matthew Lillard (Schulleiter Grayle).

Summer H. Howell als Carrie White umarmt Samantha Sloyan als Margaret White in der Serie Carrie.
Carrie (Summer H. Howell) und ihre Mutter Margaret (Samantha Sloyan): Die Serie zeichnet ihre Beziehung als eine von Liebe geprägte. (Bild: Liane Hentscher/Prime)

Flanagan inszeniert die ersten und letzten beiden Folgen, die übrigen vier übernehmen Kate Siegel, Axelle Carolyn, Kyra Sedgwick und Hiromi Kamata. Ein Detail für Aufmerksame: Alle Folgentitel sind Schulfächer, von „First Period“ – doppeldeutig für erste Stunde und erste Periode – bis „AP Physics“.

Trivia vom Set: Kunstblut, 185 Einstellungen und ein Abschlussball zum Überleben

Im Zentrum jeder „Carrie“-Fassung steht der Abschlussball, bei dem Carrie mit Schweineblut übergossen wird. Flanagan bezeichnete die Ballsequenz gegenüber Entertainment Weekly als die komplexeste Szene, die er je gedreht habe. Allein die Drehliste umfasste rund 185 einzelne Einstellungen. Damit übertreffe sie sogar die Explosion aus „Midnight Mass“ und die Plansequenz aus „Spuk in Hill House“.

8

Folgen am Starttag

1.000+

Kandidatinnen für die Titelrolle

185

Einstellungen für die Ballszene

240+

Länder und Regionen

Ob die Szene genauso endet wie im Film von 1976, verrät bislang niemand. Howell bestätigte im Interview mit USA Today lediglich augenzwinkernd, dass es Blut gebe. Es sei ihr an den betreffenden Drehtagen jeden Morgen aufgemalt worden, und sie sei ständig „sehr klebrig“ gewesen. Flanagan habe das Team vor dem Dreh bewusst innehalten lassen, um sich klarzumachen, dass man gerade Carrie Whites Abschlussball drehe.

Laut Entertainment Weekly feilte Flanagan lange an der richtigen Konsistenz des Kunstbluts, während Flammeneffekte und eine Sprinkleranlage die Dreharbeiten zur logistischen Herausforderung machten. Die Crew ließ sich danach T-Shirts mit der Aufschrift „I Survived the Prom“ drucken. Gegen die bedrückende Stimmung half am Set offenbar eine Maschine für Furzgeräusche, die Howell selbst auch einmal auslöste.

Szene aus der Serie Carrie: Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern macht sich über Carrie lustig, die selbst nicht im Bild ist
Mitschülerinnen machen sich über Carrie lustig. Mobbing steht im Zentrum der Neuauflage. (Bild: Courtesy of Prime)

Thornton betont, die Serie kenne keine reinen Monster. Ihre Figur Chris schlage nach der Trennung ihrer Eltern um sich, weil Mobbing die einzige Kontrolle sei, die ihr geblieben ist.

Stephen Kings Urteil und erste Reaktionen

Besondere Aufmerksamkeit erhielt ein Beitrag von Stephen King selbst. Der Autor, der sich in der Vergangenheit kritisch über Neuverfilmungen seiner Werke geäußert hatte, lobte die Serie im September 2026 auf der Plattform Threads ausdrücklich. Sein Sohn, der Schriftsteller Joe Hill, teilte ebenfalls den Trailer mit einer positiven Einschätzung, wie Deadline berichtete.

„Mike Flanagans Version von CARRIE ist brillant. Was sie über soziale Medien zu sagen hat, ist schockierend und wahr.“

— Stephen King auf Threads, September 2026

Auch erste Kritikerstimmen nach der Vorführung beim Toronto International Film Festival fielen positiv aus. Das Portal Screen Rant hob Howells verletzliche Darstellung hervor und lobte, wie die Serie das Smartphone-Zeitalter in die Handlung einbindet, ohne den Kern von Kings Geschichte zu verlieren.

Für Flanagan ist „Carrie“ die vierte King-Adaption nach „Das Spiel“ (2017), „Doctor Sleeps Erwachen“ (2019) und „The Life of Chuck“. Die Serie erscheint mitten in einer Welle von Stephen-King-Verfilmungen, zu der zuletzt etwa „The Long Walk – Todesmarsch“ und „The Running Man“ gehörten. Der Roman „Carrie“ selbst wurde bereits mehrfach verfilmt: 1976 von Brian De Palma mit Sissy Spacek, die dafür eine Oscar-Nominierung erhielt, 2002 als Fernsehfilm mit Angela Bettis und 2013 mit Chloë Grace Moretz. Hinzu kamen eine Fortsetzung im Jahr 1999 und ein Musical. Eine Serie gab es bislang nicht.

Weiterführende Quellen