Abenteuer auf der Scheibenwelt: Alle Romane, kein Elefant vergessen!

Die Scheibenwelt: Eine flache Welt auf vier Elefanten und der Weltraumschildkröte Groß-A'Tuin

Eine flache Welt, getragen von vier Elefanten, die auf dem Panzer einer gigantischen Schildkröte durchs All schwimmt: Was nach Kinderbuch klingt, ist eine der klügsten Satiren der modernen Literatur. 41 Scheibenwelt-Romane schrieb Sir Terry Pratchett zwischen 1983 und 2015, weltweit verkauften sich seine Bücher über 85 Millionen Mal. Dieser Überblick zeigt alle Scheibenwelt-Bücher in der richtigen Reihenfolge, erklärt die sieben Erzählzyklen, verrät den besten Einstieg und liefert jede Menge Hintergrundwissen – vom Meteoritenschwert bis zur Dampfwalze.

Was ist die Scheibenwelt?

Die Scheibenwelt ist genau das, was ihr Name verspricht: eine flache Welt. Sie ruht auf den Rücken von vier Elefanten namens Berilia, Tubul, Groß-T’Phon und Jerakeen, die ihrerseits auf dem Panzer der Sternenschildkröte Groß-A’Tuin stehen. Groß-A’Tuin schwimmt langsam durch das Universum – wohin, darüber streiten die Gelehrten der Scheibenwelt seit Jahrhunderten.

Auf dieser Scheibe gelten eigene Naturgesetze. Licht ist träge und fließt morgens wie Sirup über die Landschaft. Magie hat eine eigene Farbe, das Oktarin, die achte Farbe des Spektrums, die nur Zauberer und Katzen sehen. Und die Welt funktioniert nach der Logik von Geschichten: Was eine gute Geschichte braucht, passiert auch. Pratchett nannte dieses Prinzip später „Narrativium“.

Begonnen hat alles als Parodie. „Die Farben der Magie“ (1983) nimmt die Klischees der Fantasy aufs Korn – von Barbarenhelden à la Conan bis zu Lovecrafts Tentakelgöttern. Mit jedem Band wurde die Reihe aber weniger Genre-Persiflage und mehr Gesellschaftssatire: über Religion, Krieg, Rassismus, Journalismus, Kapitalismus und die Frage, was Menschen eigentlich menschlich macht.

Wer war Terry Pratchett?

Terence David John Pratchett wurde am 28. April 1948 in Beaconsfield in England geboren. Mit 17 verließ er die Schule und wurde Lokaljournalist, später arbeitete er als Pressesprecher für einen britischen Energieversorger, zuständig unter anderem für Atomkraftwerke. Erst 1987, nach dem Erfolg der ersten Scheibenwelt-Bände, wurde er hauptberuflich Schriftsteller.

Terry Pratchett mit seinem Markenzeichen, dem Hut, 2005 (Foto: Myrmi / CC BY-SA 2.0)

2007 machte Pratchett öffentlich, dass er an einer seltenen Form von Alzheimer erkrankt war. Er schrieb trotzdem weiter, zuletzt mit Hilfe seines Assistenten Rob Wilkins per Diktat. 2009 wurde er für seine Verdienste um die Literatur zum Ritter geschlagen. Am 12. März 2015 starb Sir Terry Pratchett im Alter von 66 Jahren.

41

Scheibenwelt-Romane

85 Mio.+

verkaufte Bücher weltweit

37

Sprachen

1983–2015

Erscheinungszeitraum

Alle 41 Scheibenwelt Romane in der richtigen Reihenfolge

Die Nummerierung folgt dem Erscheinen der englischen Originalausgaben – so zählen auch die Verlage und die Fan-Community. Die Spalte „Zyklus“ zeigt, zu welchem Erzählstrang ein Band gehört.

Nr.Deutscher TitelOriginaltitelJahrZyklus
1Die Farben der MagieThe Colour of Magic1983Rincewind
2Das Licht der PhantasieThe Light Fantastic1986Rincewind
3Das Erbe des ZauberersEqual Rites1987Hexen
4Gevatter TodMort1987Tod
5Der ZauberhutSourcery1988Rincewind
6MacBestWyrd Sisters1988Hexen
7PyramidenPyramids1989Einzelroman
8Wachen! Wachen!Guards! Guards!1989Stadtwache
9Eric (auch: Faust Eric)Eric1990Rincewind
10Voll im BildeMoving Pictures1990Industrielle Revolution
11Alles Sense!Reaper Man1991Tod
12Total verhextWitches Abroad1991Hexen
13Einfach göttlichSmall Gods1992Einzelroman
14Lords und LadiesLords and Ladies1992Hexen
15Helle BardenMen at Arms1993Stadtwache
16Rollende SteineSoul Music1994Tod
17Echt zauberhaftInteresting Times1994Rincewind
18MummenschanzMaskerade1995Hexen
19Hohle KöpfeFeet of Clay1996Stadtwache
20SchweinsgaloppHogfather1996Tod
21Fliegende FetzenJingo1997Stadtwache
22Heiße HüpferThe Last Continent1998Rincewind
23Ruhig Blut!Carpe Jugulum1998Hexen
24Der fünfte ElefantThe Fifth Elephant1999Stadtwache
25Die volle WahrheitThe Truth2000Industrielle Revolution
26Der ZeitdiebThief of Time2001Tod
27Wahre HeldenThe Last Hero2001Rincewind
28Maurice, der KaterThe Amazing Maurice and His Educated Rodents2001Einzelroman
29Die NachtwächterNight Watch2002Stadtwache
30Kleine freie MännerThe Wee Free Men2003Tiffany Weh
31WeiberregimentMonstrous Regiment2003Einzelroman
32Ein Hut voller SterneA Hat Full of Sky2004Tiffany Weh
33Ab die PostGoing Postal2004Industrielle Revolution
34Klonk!Thud!2005Stadtwache
35Der WinterschmiedWintersmith2006Tiffany Weh
36Schöne ScheineMaking Money2007Industrielle Revolution
37Der Club der unsichtbaren GelehrtenUnseen Academicals2009Rincewind
38Das MitternachtskleidI Shall Wear Midnight2010Tiffany Weh
39Steife PriseSnuff2011Stadtwache
40Toller Dampf vorausRaising Steam2013Industrielle Revolution
41Die Krone des SchäfersThe Shepherd’s Crown2015Tiffany Weh

ℹ️ Gut zu wissen: Die deutschen Übersetzungen

Die meisten deutschen Erstübersetzungen stammen von Andreas Brandhorst, der Pratchett ab 1989 übertrug. Seine Fassungen prägten eine ganze Lesergeneration, gelten unter Fans aber als umstritten: Viele Wortspiele lassen sich nur durch komplett neue Wortspiele ersetzen, und ganze Gag-Systeme, die sich über mehrere Bände ziehen, mussten umgebaut werden. Seit 2011 erscheinen Neuübersetzungen von Gerald Jung und Regina Rawlinson, die näher am Original bleiben. Wer Pratchett im Original lesen kann, entdeckt zudem seine berühmten Fußnoten in voller Pracht.

Die Zyklen der Scheibenwelt im Überblick

Die Scheibenwelt hat keinen durchgehenden Handlungsbogen. Stattdessen gibt es Erzählstränge mit wiederkehrenden Figuren, die sich gelegentlich kreuzen. Wer einen Zyklus mag, kann ihn am Stück lesen.

Rincewind und die Zauberer der Unsichtbaren Universität (8 Romane)

Rincewind ist der wohl unfähigste Zauberer der Scheibenwelt – auf seinem Hut steht „Zauberer“ mit Rechtschreibfehler. Sein einziges echtes Talent: wegrennen. In „Die Farben der Magie“ wird er zum Fremdenführer von Zweiblum, dem ersten Touristen der Scheibenwelt, dessen Koffer aus intelligentem Birnbaumholz auf hunderten Beinchen hinterherläuft und Feinde frisst.

Um Rincewind herum entsteht die Unsichtbare Universität mit ihren verfressenen, streitlustigen Zauberern. Deren berühmtestes Mitglied ist der Bibliothekar – ein Orang-Utan, der durch einen magischen Unfall verwandelt wurde und sich weigert, zurückverwandelt zu werden. Er sagt fast nur „Ook“ und hat Zugang zum L-Raum, der alle Bibliotheken des Multiversums miteinander verbindet.

Bände: Die Farben der Magie, Das Licht der Phantasie, Der Zauberhut, Eric, Echt zauberhaft, Heiße Hüpfer, Wahre Helden, Der Club der unsichtbaren Gelehrten

Tod (5 Romane)

Tod ist ein Skelett mit Sense, reitet ein Pferd namens Binky und spricht in GROSSBUCHSTABEN, ohne dabei laut zu sein. Er taucht in fast jedem Scheibenwelt-Roman auf, meist für einen kurzen, oft berührenden Moment. In seinen eigenen Romanen versucht er, die Menschen zu verstehen: In „Gevatter Tod“ nimmt er einen Lehrling, in „Alles Sense!“ wird er in den Ruhestand geschickt, in „Schweinsgalopp“ springt er für den Weihnachtsmann ein.

Zur Familie gehören seine Adoptivtochter Ysabell und seine Enkelin Susanne Sto Helit, eine Gouvernante mit wenig Geduld für Ungeheuer unter dem Bett. Der Tod-Zyklus ist der philosophischste der Reihe und für viele Leser der emotionalste.

Bände: Gevatter Tod, Alles Sense!, Rollende Steine, Schweinsgalopp, Der Zeitdieb

Die Hexen von Lancre (6 Romane)

Im Bergkönigreich Lancre lebt Oma Wetterwachs, die mächtigste Hexe der Scheibenwelt, die fast nie zaubert. Ihre wichtigste Waffe ist das, was Pratchett „Headology“ nennt: Menschenkenntnis, Psychologie und ein Blick, der Trolle zum Zurückweichen bringt. An ihrer Seite stehen die lebenslustige Nanny Ogg und die romantische Magrat Knoblauch.

Die Hexen-Romane parodieren gern große Stoffe: „MacBest“ nimmt Shakespeares „Macbeth“ auseinander, „Mummenschanz“ das „Phantom der Oper“, „Total verhext“ die Märchen der Brüder Grimm. Im Kern geht es aber um Verantwortung – und darum, das Richtige zu tun, auch wenn niemand Dank sagt.

Bände: Das Erbe des Zauberers, MacBest, Total verhext, Lords und Ladies, Mummenschanz, Ruhig Blut!

Die Stadtwache von Ankh-Morpork (8 Romane)

Viele Fans halten diesen Zyklus für den besten. Er spielt in Ankh-Morpork, der größten Stadt der Scheibenwelt, einem stinkenden, korrupten und doch liebenswerten Moloch, regiert vom undurchschaubaren Patrizier Lord Vetinari. Diebe und Assassinen sind dort in Gilden organisiert und arbeiten ganz legal.

Im Mittelpunkt steht Samuel Mumm, zu Beginn ein versoffener Hauptmann einer lächerlichen Nachtwache. Über acht Bände wird aus der Truppe eine echte Polizei – mit Zwergen, Trollen, einer Werwölfin und einem Golem in Uniform. Die Wache-Romane sind Krimis, behandeln aber Themen wie Vorurteile, Waffengewalt und Krieg mit großer Schärfe. „Die Nachtwächter“ gilt vielen als Pratchetts bestes Buch überhaupt.

Bände: Wachen! Wachen!, Helle Barden, Hohle Köpfe, Fliegende Fetzen, Der fünfte Elefant, Die Nachtwächter, Klonk!, Steife Prise

Eine Szene aus Ankh-Morpork, der größten Stadt der Scheibenwelt

Tiffany Weh (5 Romane)

Die Tiffany-Weh-Romane erschienen ursprünglich als Jugendbücher, sind aber alles andere als harmlos. Tiffany ist neun Jahre alt, als sie in „Kleine freie Männer“ mit einer Bratpfanne bewaffnet ins Feenreich zieht, um ihren kleinen Bruder zu retten. Unterstützt wird sie von den Wir-sind-die-Größten, winzigen, blauen, schottisch fluchenden Kobolden, die mit Vorliebe saufen, klauen und sich prügeln.

Über fünf Bände wächst Tiffany zur Hexe heran und wird zur Nachfolgerin von Oma Wetterwachs. „Die Krone des Schäfers“ ist Pratchetts letzter Roman. Er erschien im August 2015, fünf Monate nach seinem Tod, und gilt als sehr persönlicher Abschied.

Bände: Kleine freie Männer, Ein Hut voller Sterne, Der Winterschmied, Das Mitternachtskleid, Die Krone des Schäfers

Industrielle Revolution und Feucht von Lipwig (5 Romane)

In den späteren Bänden modernisiert sich die Scheibenwelt: Es entstehen Filmindustrie, Zeitungen, Post, Banken und schließlich die Eisenbahn. Herzstück sind die Romane um Feucht von Lipwig, einen charmanten Betrüger, den Lord Vetinari vor die Wahl stellt: Galgen oder Posten als Postminister. Feucht lernt, dass ehrliche Arbeit mit den Tricks eines Hochstaplers erstaunlich gut funktioniert.

Ein technisches Detail hat es sogar ins echte Internet geschafft: die Klacker, ein Netz aus Semaphortürmen, die Nachrichten über den Kontinent senden. Vorbild war der optische Telegraf der Brüder Chappe aus dem Frankreich der Revolutionszeit.

Bände: Voll im Bilde, Die volle Wahrheit, Ab die Post, Schöne Scheine, Toller Dampf voraus

Einzelromane (4 Romane)

Einige Romane stehen für sich und eignen sich ideal als Einstieg. „Einfach göttlich“ erzählt von einem Gott, der nur noch einen einzigen Gläubigen hat und deshalb als Schildkröte festsitzt – eine bissige Abrechnung mit organisierter Religion, die viele für Pratchetts bestes Einzelbuch halten. „Weiberregiment“ ist eine Satire über Krieg und Geschlechterrollen, „Pyramiden“ parodiert das alte Ägypten.

„Maurice, der Kater“ war das erste Scheibenwelt-Buch für jüngere Leser und gewann 2001 die Carnegie Medal, den wichtigsten britischen Kinderbuchpreis. Es variiert die Sage vom Rattenfänger von Hameln: Ein sprechender Kater und eine Bande intelligenter Ratten ziehen die Masche gemeinsam ab.

Bände: Pyramiden, Einfach göttlich, Maurice, der Kater, Weiberregiment

Mit welchem Scheibenwelt Buch sollte man anfangen?

Die Antwort überrascht viele: nicht unbedingt mit Band 1. „Die Farben der Magie“ und „Das Licht der Phantasie“ sind noch eher lose Episodenparodien, Pratchett fand seinen eigentlichen Ton erst ab etwa dem vierten Band. Wer von dort einsteigt, versteht trotzdem alles – die Zyklen bauen kaum auf den frühen Rincewind-Bänden auf.

Innerhalb eines Zyklus lohnt sich die Erscheinungsreihenfolge, weil Figuren sich weiterentwickeln. Besonders bei der Stadtwache und den Hexen gibt es viele Querverweise. In der Fan-Community kursiert seit Jahren eine grafische Lesereihenfolge (Discworld Reading Order Guide), die alle Zyklen als Flussdiagramm darstellt.

EinstiegsbuchZyklusIdeal für
Wachen! Wachen! (Nr. 8)StadtwacheKrimi-Fans und alle, die Gesellschaftssatire mögen
Gevatter Tod (Nr. 4)TodLeser, die Humor mit Philosophie suchen
Einfach göttlich (Nr. 13)EinzelromanEinsteiger ohne Lust auf eine Reihe
Ab die Post (Nr. 33)Industrielle RevolutionFans von Gaunerkomödien und modernem Tempo
Kleine freie Männer (Nr. 30)Tiffany WehJüngere Leser ab etwa 11 Jahren – und Erwachsene
MacBest (Nr. 6)HexenShakespeare-Kenner und Fans starker Frauenfiguren

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Nerdwissen: 12 Fakten über die Scheibenwelt und Terry Pratchett

1. Das Schwert aus Meteoritenstahl

Nach seinem Ritterschlag 2009 wollte Pratchett, ganz Fantasy-Autor, ein eigenes Schwert. Zusammen mit einem Experten für historische Metallverarbeitung grub er bei seinem Haus in Wiltshire rund 80 Kilo Eisenerz aus, schmolz es in einem selbstgebauten Lehmofen und fügte Meteoritenstücke hinzu – „Donnerkeil-Eisen“, wie er sagte, das sei eben magisch, ob man daran glaube oder nicht. Ein Schmied half beim Ausschmieden der Klinge.

2. Die Dampfwalze

Pratchett verfügte, dass alle unvollendeten Werke nach seinem Tod von einer Dampfwalze überrollt werden sollten. Im August 2017 erfüllte Rob Wilkins den Wunsch: Auf der Great Dorset Steam Fair walzte die historische Dampfwalze „Lord Jericho“ eine Festplatte mit bis zu zehn unvollendeten Romanen platt. Danach kam sie zur Sicherheit noch in einen Steinbrecher. Die Überreste wurden im Salisbury Museum ausgestellt.

3. GNU Terry Pratchett

In „Ab die Post“ senden die Klacker-Betreiber den Namen eines verstorbenen Kollegen endlos durch das Netz, mit dem Code „GNU“: weiterleiten, nicht protokollieren, am Ende zurückschicken. Die Idee dahinter: Niemand ist wirklich tot, solange sein Name noch gesprochen wird. Nach Pratchetts Tod bauten Fans auf Reddit den Header „X-Clacks-Overhead: GNU Terry Pratchett“ in tausende Webseiten ein. Sein Name läuft seitdem unsichtbar durchs Internet.

4. Der letzte Auftritt des Todes

Am Tag von Pratchetts Tod erschienen auf seinem Twitter-Account drei Nachrichten. Die erste war in Großbuchstaben geschrieben, also in der Sprache des Todes. Sinngemäß hieß es darin, Sir Terry müsse nun endlich mit ihm gehen. Für Millionen Fans war das ein perfekt passender, herzzerreißender Abschied.

5. Ankh-Morpork hat eine echte Partnerstadt

Das Städtchen Wincanton in Somerset, wo es einen Scheibenwelt-Laden gab, ist offiziell mit Ankh-Morpork verschwistert. Einige Straßen dort wurden sogar nach Straßen der fiktiven Stadt benannt.

6. Oktarin – die achte Farbe

Die Farbe der Magie ist Oktarin, ein grünlich-gelblicher Purpurton, den nur Zauberer und Katzen wahrnehmen. Daher auch der Titel des ersten Bandes. Passend dazu ist die Zahl Acht auf der Scheibenwelt gefährlich: Zauberer sprechen sie besser nicht laut aus.

7. Die Wissenschaft der Scheibenwelt

Mit dem Mathematiker Ian Stewart und dem Biologen Jack Cohen schrieb Pratchett vier Sachbücher, beginnend mit „Die Gelehrten der Scheibenwelt“ (1999). Die Zauberer erschaffen darin versehentlich unser Universum, die „Rundwelt“, und wundern sich, dass dort alles ohne Magie funktioniert. Die Kapitel wechseln zwischen Roman und echter Wissenschaft.

8. Die Fußnoten

Pratchetts Markenzeichen sind Fußnoten, oft witziger als der Haupttext und manchmal mit eigenen Fußnoten. In mehreren Bänden fallen sie weg, was Fans regelmäßig bemängeln. „Ab die Post“ war übrigens das erste Scheibenwelt-Buch für Erwachsene mit Kapiteleinteilung.

9. Die Cover-Künstler

Die bunten, überfüllten Cover der frühen Bände stammen von Josh Kirby. Nach Kirbys Tod 2001 übernahm Paul Kidby, der schon vorher als Pratchetts Hausillustrator galt. Kidbys Figurenbilder prägen bis heute, wie Fans sich Oma Wetterwachs oder Mumm vorstellen.

10. Der Tod im Schweinsgalopp

„Schweinsgalopp“ ist das Weihnachtsbuch der Reihe: Der Schneevater, das Scheibenwelt-Pendant zum Weihnachtsmann, verschwindet, und Tod springt mit falschem Bart ein. Die Sky-Verfilmung von 2006 wurde in Großbritannien zum Weihnachtsklassiker.

11. Ein Fan-Lexikon so groß wie der L-Raum

Die Fan-Community dokumentiert die Scheibenwelt bis ins Detail. Das englischsprachige L-Space Wiki und die „Annotated Pratchett File“ entschlüsseln Anspielungen Seite für Seite. Im deutschsprachigen Raum pflegt der Fanverein Ankh-Morpork e.V. ein umfangreiches Scheibenwelt-Lexikon samt Anmerkungen zu den Übersetzungen.

12. Kampf für das Recht auf selbstbestimmtes Sterben

Nach seiner Diagnose wurde Pratchett zu einer der bekanntesten Stimmen in der britischen Debatte über Sterbehilfe. 2010 hielt er dazu die renommierte Richard Dimbleby Lecture der BBC. Die Themen Tod und Würde, die er jahrzehntelang humorvoll durchgespielt hatte, wurden für ihn sehr real.

Scheibenwelt Verfilmungen, Hörbücher und Spiele

Die Scheibenwelt gilt als schwer verfilmbar, weil viel Witz in Erzählstimme und Fußnoten steckt. Trotzdem gibt es eine Reihe von Adaptionen. Pratchetts eigene Produktionsfirma Narrativia, heute von seiner Tochter Rhianna Pratchett und Rob Wilkins geleitet, wacht seit 2012 über neue Projekte.

JahrAdaptionBasiert auf
1995Discworld (PC-Adventure, Rincewind gesprochen von Eric Idle)Wachen! Wachen! (frei)
1997Soul Music und Wyrd Sisters (Zeichentrickserien, Cosgrove Hall)Rollende Steine, MacBest
1999Discworld Noir (PC-Spiel)eigene Geschichte
2006Hogfather (TV-Zweiteiler, Sky One)Schweinsgalopp
2008The Colour of Magic (TV-Zweiteiler, Sky One)Die Farben der Magie, Das Licht der Phantasie
2010Going Postal (TV-Zweiteiler, Sky One, mit Charles Dance als Vetinari)Ab die Post
2021The Watch (TV-Serie, BBC America)Stadtwache-Romane (sehr frei)
2022Maurice der Kater (Animationsfilm, Maurice gesprochen von Hugh Laurie)Maurice, der Kater

Bei den Hörbüchern hat sich im deutschsprachigen Raum vor allem Rufus Beck einen Namen gemacht, aber auch Volker Niederfahrenhorst und Katharina Thalbach haben Scheibenwelt-Romane eingelesen. „The Watch“ fiel bei Fans übrigens durch, weil die Serie Figuren und Welt stark veränderte.

Welche Pratchett-Bücher gehören nicht zur Scheibenwelt?

Pratchett schrieb über 70 Bücher, und längst nicht alle spielen auf der Scheibe. Diese Werke lohnen sich ebenfalls:

  • „Die Teppichvölker“ (1971, überarbeitet 1992): Pratchetts erster Roman, geschrieben als Teenager. Ein ganzes Volk lebt in den Fasern eines Teppichs. Für die Neuausgabe schrieb er das Buch als Erwachsener gründlich um.
  • „Die dunkle Seite der Sonne“ (1976): Science-Fiction um einen Erben, der in einem Universum voller Wahrscheinlichkeitsmathematik nach einer verschwundenen Zivilisation sucht.
  • „Strata“ (1981): Science-Fiction mit einer künstlich erschaffenen flachen Welt – der direkte Vorläufer der Scheibenwelt.
  • Die Nomen-Trilogie (1989–1990): „Trucker“, „Wühler“ und „Flügel“ erzählen von zehn Zentimeter großen Nomen, die in einem Kaufhaus leben und nichts von der Welt draußen wissen. Im Englischen heißt die Reihe „The Bromeliad“.
  • „Ein gutes Omen“ (1990, mit Neil Gaiman): Ein Engel und ein Dämon wollen den Weltuntergang verhindern, weil ihnen die Erde eigentlich ganz gut gefällt. Amazon verfilmte den Roman 2019 als Serie mit David Tennant und Michael Sheen.
  • Die Johnny-Maxwell-Trilogie (1992–1996): „Nur Du kannst die Menschheit retten“, „Nur Du kannst sie verstehen“ und „Nur Du hast den Schlüssel“ folgen einem zwölfjährigen Jungen aus der Kleinstadt Blackbury durch ein Computerspiel, einen Friedhof voller Geister und eine Zeitreise in den Zweiten Weltkrieg.
  • „Eine Insel“ (2008): Im Original „Nation“. Ein Junge überlebt einen Tsunami im Südpazifik einer alternativen Geschichte und muss sein Volk neu aufbauen. Für viele Kritiker eines seiner stärksten Bücher.
  • „Dunkle Halunken“ (2012): Im Original „Dodger“. Ein junger Kanalräumer im viktorianischen London trifft auf Charles Dickens.
  • Die Lange-Erde-Reihe (2012–2016, mit Stephen Baxter): Fünf Science-Fiction-Romane über eine nahezu unendliche Kette paralleler Erden, die Menschen einfach betreten können. Der Abschlussband „Der Lange Kosmos“ erschien 2016 nach Pratchetts Tod.
  • „A Stroke of the Pen“ (2023): Zwanzig wiederentdeckte frühe Kurzgeschichten, die Pratchett unter Pseudonym für eine Lokalzeitung geschrieben hatte. Mehr dazu in unserem Artikel zu Pratchetts Frühwerken.

Häufige Fragen zu den Scheibenwelt Büchern

Wie viele Scheibenwelt Romane gibt es?

Es gibt 41 Scheibenwelt-Romane, erschienen von 1983 („Die Farben der Magie“) bis 2015 („Die Krone des Schäfers“). Dazu kommen Sachbücher, Kurzgeschichten, Karten, Kochbücher und Begleitbände.

In welcher Reihenfolge sollte man die Scheibenwelt lesen?

Am einfachsten nach Zyklen, innerhalb eines Zyklus in Erscheinungsreihenfolge. Wer alles lesen will, kann auch der Gesamtnummerierung folgen und erlebt so Pratchetts Entwicklung als Autor.

Muss man mit „Die Farben der Magie“ anfangen?

Nein. Viele Fans empfehlen, mit „Wachen! Wachen!“, „Gevatter Tod“ oder „Einfach göttlich“ einzusteigen. Die ersten beiden Bände sind stilistisch noch unausgereift.

Welches ist das beste Scheibenwelt Buch?

Eine objektive Antwort gibt es nicht. In Fan-Umfragen landen „Die Nachtwächter“, „Einfach göttlich“, „Gevatter Tod“ und „Ab die Post“ regelmäßig weit vorn.

Ab welchem Alter eignen sich die Scheibenwelt Romane?

Die Tiffany-Weh-Romane und „Maurice, der Kater“ wurden für jüngere Leser geschrieben und eignen sich ab etwa 11 Jahren. Die übrigen Romane sind für Jugendliche und Erwachsene gedacht.

Wird es neue Scheibenwelt Romane geben?

Nein. Pratchett wollte nicht, dass andere Autoren die Reihe fortsetzen, und ließ seine unvollendeten Manuskripte vernichten. Seine Tochter Rhianna Pratchett hat erklärt, keine weiteren Scheibenwelt-Romane zu schreiben.

Weiterführende Quellen