He-Man ist zurück: Masters of the Universe feiert sein großes Kino-Comeback

He-Man in Masters of the Universe
He-Man kehrt zurück: Nicholas Galitzine als Prinz Adam / He-Man, Camila Mendes als Teela und Idris Elba als Man-at-Arms in Masters of the Universe (2026) | (© Amazon MGM Studios)

Fast 40 Jahre nach dem legendär schlechten Dolph-Lundgren-Desaster von 1987 wagt Amazon MGM Studios das Unmögliche: He-Man kehrt auf die große Leinwand zurück. Mit Nicholas Galitzine in der Hauptrolle, Idris Elba als Man-at-Arms, Jared Leto als Skeletor und Regisseur Travis Knight am Steuer hat die Neuverfilmung von Masters of the Universe schon jetzt Filmgeschichte geschrieben – als bislang aufwändigste Realverfilmung des Mattel-Franchise und als erster Test, ob das Nostalgie-Kino der 80er-Jahre wirklich unendlich Nachschub liefern kann. In Deutschland startete der Film am 4. Juni 2026, in den USA einen Tag später. Die ersten Kritikerreaktionen fallen überraschend positiv aus.

Von der Plastikfigur zum Blockbuster: Eine kurze Franchise-Geschichte

Es begann 1982 mit ein paar Plastikfiguren. Mattel brachte die ersten Masters of the Universe-Actionfiguren auf den Markt – martialisch, muskulös, von High Fantasy inspiriert. He-Man, der blonde Held mit dem Zauberschwert, und sein Erzfeind Skeletor, der blaugesichtige Schädelzauberer, wurden zu Ikonen einer ganzen Kindergeneration.

Dass man daraus eine Zeichentrickserie machte, war damals ein Marketingtrick: Der Cartoon He-Man and the Masters of the Universe (1983–1985) war im Grunde eine 30-minütige Spielzeugwerbung – und dennoch entwickelte er einen eigenen kulturellen Sog. Das Worldbuilding des Planeten Eternia, die archetypischen Charaktere, das manichäische Gut-Böse-Schema: Es funktionierte.

1987 folgte der erste Realfilm. Dolph Lundgren als He-Man, Frank Langella als Skeletor. Das Ergebnis ist heute eines der bekanntesten Beispiele für gescheiterte Spielzeugadaptionen: schlecht gealterte Sets, ein Budget das aussah, als hätte es mitten im Dreh aufgehört zu existieren, und eine Handlung, die He-Man seltsamerweise größtenteils auf der Erde spielen ließ. Der Film floppte. Das Franchise überlebte – in Cartoons, Comics, und im kollektiven Gedächtnis der 80er-Kinder.

Jared Leto als Skeletor
Jared Leto mimt He-Mans Widersacher Skeletor (© Amazon MGM Studios)
 

1982

Mattel bringt die ersten He-Man-Actionfiguren auf den Markt. Das Masters of the Universe-Franchise beginnt als Spielzeugkampagne.

 

1983

Die Animationsserie He-Man and the Masters of the Universe startet und wird zum globalen Phänomen.

 

1987

Erster Realfilm mit Dolph Lundgren – Kritiker-Katastrophe, Kassen-Flop. Das Franchise zieht sich in die Welt der Animationsserien zurück.

 

2007–2022

Die Filmrechte wandern durch diverse Studios – Warner Bros., Columbia, Netflix – ohne dass ein Projekt realisiert wird. Ein jahrelanges Entwicklungs-Limbo.

 

2026

Amazon MGM Studios und Mattel Films realisieren die Neuverfilmung. Am 4. Juni startet der Film in deutschen Kinos.

Travis Knight – der Mann hinter dem Comeback

Die Wahl des Regisseurs ist eine der spannendsten Entscheidungen des gesamten Projekts. Travis Knight ist kein typischer Blockbuster-Regisseur. Er stammt aus der Welt der Stop-Motion-Animation: Als CEO des Studios LAIKA verantwortete er Kubo – Der tapfere Samurai (2016), einen visuell spektakulären Film, der für den Oscar nominiert wurde und bewies, dass Animationsfilm weit mehr sein kann als Kinderunterhaltung.

Sein erster Realfilm war Bumblebee (2018) – und der war eine Offenbarung für alle, die vom Overkill der Michael-Bay-Transformers-Ära erschöpft waren. Statt CGI-Materialschlacht mit sekundengenauem Schnittrhythmus setzte Knight auf warme Bilder, emotionale Charakterarbeit und ein Coming-of-Age-Herz. Filmkritiker verglichen ihn mit den frühen Amblin-Produktionen Steven Spielbergs – dem Stil der kleinen, menschlichen Geschichte im großen Spektakel.

Diese Handschrift – nennen wir sie den „Knight-Ansatz“ – ist auch für Masters of the Universe entscheidend. Knight ist kein Regisseur, der Franchise-Kino als Industrieprodukt betrachtet. Er bringt Gespür für visuelles Erzählen mit, das in der Stop-Motion-Schule geschult wurde: jeder Frame bewusst gesetzt, Emotionen über Gestik und Komposition erzeugt, nicht nur über schnellen Schnitt und Lautstärke.

„Es war ein Traum, jemanden mit seinem Herz, seinem Humor und seinem Heldenmut zu spielen. Ich kann es kaum erwarten.“

— Nicholas Galitzine, Hauptdarsteller He-Man, bei Bekanntgabe seiner Besetzung

Ein Ensemble, das mehr ist als Fanservice

Nicholas Galitzine, 31, trägt als Prinz Adam / He-Man die Last des gesamten Films. Der Brite wurde einem breiteren Publikum durch Red, White & Royal Blue (2023) bekannt – eine Romantic Comedy, die ihn als emotionalen, nuancierten Schauspieler zeigte. Für Masters of the Universe trainierte er monatelang auf einem Niveau, das an die physischen Vorbereitungen für Rollen wie Thor oder Captain America erinnert. Die ersten Reaktionen loben ihn für eine Darstellung, die Männlichkeit nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als Entwicklungsprozess zeigt.

Idris Elba als Man-at-Arms ist ein weiterer Trumpf. Elba hat in seiner Karriere bewiesen – von The Wire über Luther bis zu Beasts of No Nation –, dass er auch in Blockbuster-Kontexten Figuren Würde und Tiefe verleiht. Man-at-Arms ist traditionell die Vater-Figur des He-Man-Universums; Elba scheint dafür wie geschaffen.

Jared Leto als Skeletor ist der wildeste Casting-Coup. Leto ist ein Method-Actor (eine Darstellungsschule, bei der Schauspieler monatelang in ihrer Rolle bleiben), der für kontroverse Auftritte bekannt ist. Wie er den blubbernden Cartoon-Bösewicht in einen kinotauglichen Antagonisten verwandelt, dürfte einer der Gesprächspunkte des Sommers werden.

74 %

Rotten Tomatoes (Kritiker)

170–200 Mio. $

Produktionsbudget

141 Min.

Laufzeit

Die Handlung: Sword & Sorcery in der modernen Blockbuster-Sprache

Die Prämisse des Films ist klassischer Hero’s Journey-Stoff – ein erzählerisches Muster, das der Mythenforscher Joseph Campbell als universelle Grundstruktur des Heldenmythos beschrieb und das Filme von Star Wars bis Der Herr der Ringe prägte. Prinz Adam wurde als Kind von seinem Heimatplaneten Eternia auf die Erde geschickt, um ihn vor Skeletors Herrschaft zu schützen. Das mächtige Schwert von Grayskull – Sinnbild seiner Identität – verlor er dabei.

Fünfzehn Jahre später findet Adam auf der Erde das Schwert wieder. Damit beginnt die Rückkehr: nach Eternia, zu sich selbst, und in den Konflikt mit dem Bösen. Seine Freundin Teela (Camila Mendes) und Duncan / Man-at-Arms (Idris Elba) begleiten ihn. Was zunächst nach Standardware klingt, bekommt durch Knights Regie laut ersten Kritiken eine emotionale Tiefe, die reine Franchise-Blockbuster oft vermissen lassen.

Besonders gelobt werden die Ausstattung der Welt Eternia und der Mut zur Farbe: Wo das Superheldenkino der letzten Jahre oft in düsteren Desaturation-Paletten (bewusste Entsättigung des Farbspektrums, um einen ernsteren Ton zu erzeugen) ertrank, setzt Masters of the Universe auf das Gegenteil – knallige, satte Farben, die an die pulp-fantasy-Illustrationen der 80er erinnern.

ℹ️ Gut zu wissen

Das Drehbuch hat eine lange Entstehungsgeschichte: Vier Autoren sind mit Schreibcredits vermerkt – Chris Butler, Aaron und Adam Nee sowie David Callaham. Callaham schrieb zuvor das Drehbuch zu Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings (2021), einem der am besten aufgenommenen MCU-Einzel-Ursprungsfilme. Auch die Filmmusik wurde mit Daniel Pemberton einem klanglich unverwechselbaren Komponisten anvertraut – er schrieb bereits den Score für Project Hail Mary, den anderen großen Amazon-MGM-Hit des Jahres 2026.

Zwischen Nostalgie und Neufindung: Was den Film cineastisch auszeichnet

Masters of the Universe steht vor einer Herausforderung, die viele Franchise-Neustarts kennen: dem Spagat zwischen Treue zum Original und zeitgemäßer Neuinterpretation. Das Genre nennt sich Reboot – ein Begriff, der im Hollywoodjargon eine Neuverfilmung meint, die nicht an Vorgänger anknüpft, sondern die Ursprungsgeschichte neu erzählt. Barbie (2023) ist das bisher berühmteste Beispiel, wie man ein Mattel-Franchise in ein kulturelles Gesprächsstück verwandelt.

Masters of the Universe wählt einen anderen Weg. Statt Metakommentar oder Dekonstruktion setzt der Film auf aufrichtigen Abenteuergeist. Das ist mutig – und riskant. Aufrichtigkeit im Blockbuster-Kino kann als Naivität wirken. Die ersten Reaktionen deuten aber darauf hin, dass Knight diesen Ton trifft: Kritiker beschreiben den Film als „größte Überraschung 2026″ und loben seine „Hingabe zum Ausgangsmaterial“.

Cineastisch interessant ist auch die Produktionsphilosophie. Wie schon bei Bumblebee setzt Knight auf ein ausgewogenes Verhältnis von praktischen Effekten (tatsächlich gebautem Kulissen und Requisiten) und CGI. In einer Ära, in der computererzeugte Bilder die physische Realität des Filmsets immer mehr verdrängen, ist das ein bewusst gesetztes ästhetisches Statement: Dinge, die man anfassen kann, wirken auf der Leinwand anders als rein digitale Konstruktionen.

„Gelobt werden der Unterhaltungswert, die seltsam anmutende, farbenfrohe Ausstattung und die Hingabe zum Ausgangsmaterial.“

— Wikipedia-Zusammenfassung der ersten Kritikerreaktionen, Stand 4. Juni 2026

Bemängelt wird in einzelnen Kritiken der teils flache Humor und einige zu lang geratene Actionsequenzen – klassische Schwachstellen des modernen Event-Kinos. Doch das Gesamtbild ist klar: Masters of the Universe ist kein Meisterwerk, aber ein handwerklich solider, ehrlich unterhaltender Abenteuerfilm, der sein Publikum ernst nimmt.

Für den deutschen Kinostart am 4. Juni 2026 bringt auch Mattel neue Actionfiguren auf den Markt – detailgetreue Neuauflagen, die die Filmdarsteller als Vorbild nehmen. Ein weiteres Zeichen, dass die Hoffnung auf eine neue Franchise-Ära real ist.

Weiterführende Quellen